Pharmamarkt 2011
Experten mit ersten Einschätzungen und Prognosen: Der Pharmamarkt 2011 ist Schwerpunkt der neuen Ausgabe des PharmaBarometer. Im Leitartikel werden aktuelle Umfragen und Studien vorgestellt – darunter die große Ärzteumfrage Pharma Trend der DJG.
Härtere Zeiten brachen mit Inkrafttreten des AMNOG zum 1. Januar 2011 an. Belastet wird vor allem die forschende Pharmaindustrie. Entsprechend eingetrübt starteten auch die Unternehmen im vfa ins neue Jahr, wie die Winterumfrage des Verbandes ergab. Die 145 befragten Unternehmen gingen tendenziell von einem Rückgang der Umsätze aus. Neben allen Befürchtungen angesichts der wirtschaftlichen Aussichten nach der staatlichen Zwangsregulierung gibt es dennoch Lichtblicke. Umfragen und Studien aus der jüngeren Zeit geben Grund zur Hoffnung.
So ermittelte die vfa-Winterumfrage gleichzeitig durchaus positive Reaktionen der Branche. Denn die pharmazeutische Industrie setzt weiterhin auf die Erforschung von Innovationen. Ein Drittel der Unternehmen im vfa hat angegeben, mehr in den Bereich F&E investieren zu wollen. Dabei wissen gerade die Ärzte als Anwender der Medizinprodukte diese Innovationskraft besonders zu schätzen. In der großen Ärzteumfrage Pharma Trend ermittelt die DJG – Dr. Jung Group, welche Medikamente Mediziner als innovativste Produkte eines Jahres wählen. Fast 200 Präparate wurden in der letztjährigen Umfrage genannt, die Ärzte als innovativ ansehen. Deutschlands medizinische Spezialisten honorieren also den Forschungseinsatz: Trotz politischer Hürden (AMNOG) und trüber wirtschaftlicher Erwartungen setzen viele Hersteller auf Innovation. Diese Unternehmen dürften sich durch die Pharma Trend-Ergebnisse bestätigt sehen. So vergab die große Gruppe der Allgemeinärzte, Praktiker und Internisten den Titel „beliebtestes Pharmaunternehmen“ gerade an Unternehmen, die sie als besonders innovativ ansahen.
Viele Innovationen stehen an für dieses Jahr. "2011 ist wieder mit vielen neuen Medikamenten zu rechnen, insbesondere gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen", wie Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des vfa mit Blick auf gerade abgeschlossene und laufende Zulassungsverfahren für neue Medikamente prognostizierte. Dabei kennt sie auch die Schattenseiten der Forschung: "Pharmaforschung ist risikoreich, langwierig und teuer. Die Entwicklung jeder Medikamenten-Innovation von 2011 wurde schon in den 1990er-Jahren begonnen“, wie Yzer betont. Ihr Resumé: „Forschende Pharma Unternehmen müssen langfristig denken und brauchen auch ein politisches Umfeld, das ihnen das erlaubt.“
Obwohl die politischen Rahmenbedingungen für Innovation viel zu wünschen übrig lassen, so liegen sie im internationalen Vergleich doch relativ weit vorne. Wie eine Studie zu Medizininnovationen und den besten Rahmenbedingungen ergeben hat, steht Deutschland auf dem zweiten Platz hinter dem Spitzenreiter USA. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle "Medical Technology Innovation Scorecard" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Die Scorecard bewertet die Rahmenbedingungen für Innovationen in der Medizintechnologie auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 9 (optimal). Dabei erreichen die USA 2010 einen Wert von 7,1 (2005: 7,4). Trotz der Verschlechterung gegenüber 2005 schneiden sie weiterhin deutlich besser ab als die nächstplatzierten Länder UK (5,4), Deutschland (5,4) und Frankreich (5,0), so PwC (PriceWaterhouseCoopers).
Auch dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Wissenschaftsjahr 2011 startet und unter den Schwerpunkt „Forschung für eine bessere Gesundheit“ stellt, ist als gutes Zeichen in die richtige Richtung zu werten. So will Bundesministerin Annette Schavan unter anderem „die großen Leistungen der Gesundheitsforschung“ in den Focus der Öffentlichkeit rücken, wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung ankündigte. Damit wird auch der Pharmamarkt 2011 von positiven Signalen und negativen Rahmenbedingungen gleichermaßen geprägt. Sein wir gespannt, in welche Richtung sich das laufende Geschäftsjahr entwickelt und welche neuen Studien und Prognosen uns weiterhin den Weg leiten…
PharmaBarometer 1/2011







